CD Kritik Progressive Newsletter Nr.80 (04/2014)

Keen Wit - The streets of no return
(52:38, Finest Noise / Radar, 2013)

Wenn man den unnötig angeberischen Ayreon-Vergleich vom Promowisch verdaut hat, versöhnt einen das atmosphärische, geheimnisvolle Intro "Keep breathing" und mit dem ersten Longtrack "Reversal" auch die warm und teils Hackett-, teils Gilmour-artig singende Gitarre von Keen Wit-Mastermind Luke May. Die Straßen ohne Widerkehr sind - logisch - ein Konzeptwerk, für das Luke Unterstützung bei Andreas Ungers (drms), Nico Horst (bss) sowie mit Rebecca Bretz, Franziska Borchert und Tobi Kutscheid gleich drei SängerInnen fand - was zu erfreulicher Abwechslung führt, ohne aber den Eindruck einer Rockoper (vgl. Ayreon) zu hinterlassen. Die Dame, die sich gemeinsam mit Tobi auf "Reversal" ein Gesangsduell liefert, hat jedenfalls eine sehr kraftvolle Stimme mit anziehendem rauchigen Timbre. Das melodisch starke "Withering rose" erinnert zunächst angenehm an Stygma (IV), irritiert allerdings mit einer der Flügel-Coda vorgeschalteten gotteslästerlich schief gepfoffenen Einlage (lassen Grobschnitt grüßen?). Recht progmetallisch wüten "Sudden madness" und "Shatter", während "With the tide" die Feuerzeuge rauszuholen bittet. Auffallend viel schönes Akustikgitarrenspiel und ein gewisses Ausbaupotenzial beim Gesang kennzeichnen ein durchaus interessantes Debüt von (uns) bislang gänzlich unbekannten Namen.

Klaus Reckert



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