CD Kritik Progressive Newsletter Nr.77 (03/2013)

Elmo Karjalainen - Unintelligent designs
(72:57, Privatpressung, 2012)

Obacht: Da viele der enthaltenen Stücke "over 3 minutes long" sind und "no singing" enthalten, hat sich der finnische Künstler lieber gleich selbst eine "Parental Advisory"-Warnung verpasst. Wohl dem, der sich davon ebenso wenig abschrecken lässt wie von der selbstironischen Einschätzung des Albumtitels. Denn dies ist eines der eher seltenen Gitarristen-Solowerke, das auch Nicht-Shred-Anbetern zuträglich sein kann. Es geht schon sehr melodisch mit dem Gilmouresk-meditativen Intro "Spark of hope" los. "Headlight violence" tritt zwar heftig aufs Gas, macht aber auch mit dem "süßen" Ton bekannt, den Elmo selbst bei der übelsten Raserei noch zu produzieren in der Lage ist. Vom Humor des Meisters künden nicht nur etliche der Titel, sondern auch die Studio-Eskapaden auf beispielsweise "Chromatic Tuna". Hierin erinnert er angenehm an die allerdings unerreicht bleibenden Mattias IA Eklundh und Mr. Fastfinger, beim Rausschmeißer "Until we meet again" lautet die Assoziation eher Steve Vai. Die auf dem Langspieler gebotene musikalische Bandbreite reicht von Flamenco ("Lovely Spam") über Holdsworth-beinflusste Fusion ("The promised land of roundabouts" - ein Leckerbissen), reinstem Camel-Wohlklang ("Sanna") und sogar Engtanzmucke ("Tuire's and Ville's Wedding Waltz") bis hin zu neoklassischem Topspeed-Rock ("The voices in my head"). Dass Elmos "Designs" in Summe so intelligent und vor allem kommunikativ klingen liegt wohl auch daran, dass mit Christer Karjalainen (perc), Janne Venho (drms), Masi Hukari (guit; u.a. Dame) und Tuomas Yli-Kovero (guit) echte Menschen mitgeholfen haben. Tuomas kennt Elmo übrigens noch von Deathlike Silence her, einer gemeinsamen female-fronted Heavy Group.

Klaus Reckert



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