CD Kritik Progressive Newsletter Nr.57 (11/2006)

Beardfish - The sane day
(56:15 + 55:52, Privatpressung, 2005)

An dieser Stelle erst einmal einen herzlichen Gruß und Dank an die belgischen Kollegen vom Prog Résiste, die meine Aufmerksamkeit auf dieses bereits letztes Jahr erschienene Album lenkten. In der letzten Ausgabe ihres Heftes belegte die bis dato mir noch völlig unbekannte Band den ersten Platz und unisono waren die Beurteilungen der diversen Rezensenten im oberen Bereich angesiedelt. Noch etwas zusätzliche Internet-Recherche hinterher: "The sane day" ist bereits das zweite Alben der 2000 gegründeten schwedischen Band. Ihre Qualitäten brachte ihnen immerhin eine Einladung zur diesjährigen Ausgabe des prestigeträchtigen Progday Festivals in den U.S.A., wie auch diverse andere positive Kritiken auf die musikalische Qualität schließen lassen. Genug der Vorrede, denn was gibt es nun hier zu hören? Die Reise geht zurück in die 70er, doch eben nicht nur nach dem üblichen Strickmuster, welchem inzwischen eine Unzahl von Retrobands folgt. Vor allem die allgemeine Stimmung fängt den Geist der Vergangenheit sehr gut ein und wirkt wirklich wie eine Zeitreise. Dominiert wird der Sound der Schweden von fetten Orgelklängen, elektrischem Piano und eher sparsam eingesetzten Synthesizern, sowie einer mehr im Psychedelic / Hard Rock verwurzelten Gitarre. Hinzu kommt, dass Sänger Rikard Sjöblom hin und wieder zu eigenartigen Gesangslinien neigt, was für weitere interessante Spannungsmomente sorgt. Als Vergleichsmomente zu anderen Bands kommen immer nur kurze Passagen in Frage, da die Breite von Gentle Giant, Frank Zappa, King Crimson bis hin zu 70s Rock im Stil von Led Zeppelin reicht. Mitunter erinnern Beardfish auch an die ihnen freundschaftlich verbundenen Liquid Scarlet. Neben dem offensichtlichen Prog-Einfluss dürfen auch ein paar Folk und Hard Rock Passagen, sowie jazzige Sprenkler nicht fehlen. Daneben wird nicht nur auf Bombast und Komplexität gesetzt, sondern die allgemeine Herangehensweise wirkt weniger offensiv und offensichtlich, irgendwie relaxter, aber gerade dadurch stimmiger. Hinzu kommt weiterhin eine mehr auf britische Traditionen fußende Spielweise, die somit die nordische Düsternis und Traurigkeit eher außen vor lässt. Es darf aber auch mal etwas zappaesk herumgesponnen werden, was die lockere, entspannte, zugleich sehr organisch wirkende Stimmungstiefe zusätzlich verstärkt. Als einzigen Vorwurf muss sich die Band gefallen lassen, dass ihr hin und wieder etwas mehr expressive Leidenschaft gut tun würde. Kann aber auch einfach damit zusammenhängen, dass bei einem Doppelalbum und einer Spielzeit von über 100 Minuten es zwangsläufig einige inhaltliche Durchhänger zu verzeichnen gilt. Sicherlich ist dieses Doppelalbum auch nichts für reine Anhänger der fröhlichen sinfonisch-melodischen Schiene, denn dafür agieren Beardfish einfach zu sperrig und spröde. Mit "The sane day" gilt es, ein weiteres Kleinod zu entdecken, das gerade weil es eben nicht nur auf allzu eingefahrene Wege und Erwartungen setzt, nachhaltig überzeugen kann. Diverse Hörbeispiele sind als eindringlicher Beweis dieser These 7auf der Website der Band vorhanden.

Kristian Selm



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