(37:13; Digital, CD; Klonosphere Records, 04.04.2025) Fünf lange Songs zwischen meist sechs und neun Minuten sind erstmal eine Ansage des Debütanten aus Frankreich. Irgendwo zwischen Haken, Tool, Opeth, Leprous und Pure Reason Revolution möchte man sich selbst verortet sehen. Die Female Vocals haben schon was für sich, die instrumentale Seite pendelt zwischen vertrackt rockig und metallisch progressiv. Dazu addiert die Band viele postrockig elegische Ruhe-Inseln, die in den meisten Fällen – so viel vorweg – auch gut in Szene gesetzt werden. Der Sound geht in Ordnung, ist kompakt, dem Genre, der Rezeptur gerecht werdend. Mit immer wieder aggressiven Vocals, mal männlich, aber auch weiblich, wird die eher elegische Stimmung aufgebrochen und dies gelingt nicht immer so ganz reibungslos. Der Feinschliff fehlt hier und da, darf es natürlich auch, weil ein Newcomer noch Luft nach oben haben sollte.
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Songs wie ‘The Wilds’ oder ‘Isolation’ haben richtig starke Melodien, beginnen mit wehmütigen, richtig schön tiefen Parts, die vom weiblichen Gesang nicht perfekt, aber stimmungsunterstützend getragen werden. Etwas The Gathering schwingt hier und da in den sehnsuchtsvollen Melodien mit, Pure Reason Revolution ist in jedem Fall auch ein nicht zu leugnender Einfluss. Wenn dann der aggressiv männliche Part mit unter die Decke kriecht, passt dies nicht immer aus meiner Sicht, wirkt etwas aufgesetzt.
Die atmosphärischen Melodien sind hervorragend, berühren in jedem Fall, das kantig progressive Element ist oftmals noch nicht formvollendet und fließend, was ok geht. Die Band packt einiges in die Songs, der gute Wille um das Schaffen von dramaturgischen Momenten ist ohne weiteres vorhanden. Abwechslung wird groß geschrieben und ein Song wie ‘Sunless City’ wird mit seinen knapp zehn Minuten vermutlich niemanden vergraulen, der melancholischen New Artrock/Postrock mit progressiv metallischen Strukturen mag. Hier sind am Anfang mal wieder Gesang und Arrangements erneut stimmig, erinnern an Midas Fall und bauen gekonnt Stein auf Stein und setzen den Stift immer an der richtigen Stelle ein. Der im weiteren Verlauf erneut sperrig/aggressive männliche Vocal-Anteil wirkt auf mich einfach wie ein Fremdkörper und die punktuell härteren Riffs sollen sicher den dystopisch ernsten lyrischen Parts die passende musikalische Untermalung bieten. Für mich ist das definitiv ausbaufähig. Mal sehen, wo die Reise der Band hin geht. Im abschließenden ‘Moon’ findet man richtig schön ausufernde, sehnsüchtige Melodien. Die Gitarren perlen wunderschön, soll heißen, da passt vieles richtig gut zusammen, die Atmosphäre packt mit vielen pastoralen Postrock-Gitarren.
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Die Musiker des Ash Twin Project bemühen sich in den fünf Longtracks um spannende Musikalität, haben sicher gute Ideen, wissen musikalisch gekonnt mit Prog-und Post-Elementen dramaturgisch intelligente Strukturen in ihren Songs zu definieren, nur sind Ecken und Kanten, so manches Mal die fließenden Übergänge eben nicht in dem Maße vorhanden, um so richtig in den Sound hineinzufallen zu können. Aber was nicht ist, wird sicher auf einem der kommenden Releases seine Entwicklung nehmen und man darf gespannt sein, wo die Reise hingeht.
Bewertung: 9/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Viral Propaganda zur Verfügung gestellt.