(1:10:58 + 1:18:43; 2CD, Digital: MiG Music, 13.12.2024)
Nachdem in den vergangenen Wochen das Live-Album von Frumpy aus dem Jahr 1995 und die 2006er Live Dokumentation von Inga Rumpf vorgestellt wurden, folgt nun der dritte Streich vom MiG Music Label. In diesem Falle handelt es sich um die zwischenzeitliche Nachfolgeband der legendären Frumpy, die aber im Kern gar nicht mal so anders aussah als der Vorgänger. Der Kern aus Sängerin Inga Rumpf, Keyboarder Jean-Jacques Kravetz und Bassist Karlheinz Schott blieb zusammen, neu hinzu kamen nun Frank Diez an der Gitarre und auf Empfehlung von Klaus Doldinger mit Curt Cress ein renommierter Schlagzeuger. Beide Neulinge hatten vorher noch mit der Band Emergency eine Platte veröffentlicht.
Auf dieser Zusammenstellung werden alle auf dem Vertigo Label erschienenen Alben zusammengefasst. Da die Spielzeiten die 40-Minuten Marke nicht überschritten, war es möglich, alle vier Alben auf einer Doppel-CD unterzubringen. Den Anfang machen “Atlantis” (1972) und “It’s Getting Better” (1973).
Ihrem von Frumpy her bekannten Stil sind sie im Wesentlichen treu geblieben. Über allem schwebt nach wie vor die markante Stimme von Inga Rumpf, die in allen Bereichen überzeugen kann, sei es mit mächtigem Organ in den Rocksongs als auch bei gefühlvollen Balladen. Da wäre beispielsweise das schöne ‘Maybe it’s Useless’ zu nennen. Auf dem neun-minütigen ‘Living at the End of Time’ zeigen sie gar leicht proggige Züge, da ist Zeit für perfekt abgestimmtes Zusammenspiel von Gitarre und Orgel. Und auch das finale Stück auf dem Debüt, ‘Words of Love’, zeigt die Stärken der Band bei ruhigen Nummern.
Den Titel des zweiten Albums muss man nicht wörtlich nehmen, denn das Debüt war schon gut und mit der gleichen Qualität geht es hier trotz zweier Umbesetzungen (siehe unten) weiter. ‘Drifting Winds’ sei als Musterbeispiel für ein sehr emotional vorgetragenes Lied genannt – es mag abwegig klingen, aber den Rezensenten erinnern Passagen ein wenig an einen Song von Pink Floyds Album “Obscured by Clouds”. Das darauf folgende ‘Days of Giving’ ist mit 7 ½ Minuten Spielzeit der längste Song des Albums, der Kravetz wie auch dem neuen Gitarristen Dieter Bornschlegel Gelegenheit bietet, ausgiebig zu solieren. Auf dieser flotten Nummer sorgt neben Ringo Funk (Ex-Jeronimo) an den Drums Gasper Lawal mit der Afro-Perkussion für zusätzlichen Wirbel. Wer eine Mischung aus Rock und Blues der Marke Frumpy mag, ist auf den beiden ersten Atlantis-Alben bestens aufgehoben.
Trotz weiterer Veränderungen ließ Album Nummer 3 nicht lange auf sich warten. “Ooh, Baby” wurde im Sommer 1974 aufgenommen und von Dieter Dierks produziert. Eine einschneidende Veränderung war sicherlich der Weggang des alten Weggefährten Jean-Jacques Kravetz, der lediglich als Gast am Piano auftaucht. Die Keyboards hat stattdessen nun Adrian Askew übernommen und auch die Gitarrenposition wurde schon wieder umbesetzt, diesmal mit Alex Conti. Die Songs sind kurz und knapp gehalten in einer Mischung aus Rock, Blues, Soul, Funk und Gospel. Im folgenden Jahr konnten sie ein großes Ziel erreichen, nämlich eine ausgiebige Tour durch die USA. Sie waren unter anderem Opener für Lynyrd Skynyrd oder Muddy Waters. Doch sie erlebten auch die negativen Seiten in Form ihrer amerikanischen Plattenfirma, die absolut null Support lieferten.
Nach besagter US Tour verließ Conti die Band wieder und mit Rückkehrer Diez und Newcomer Rainer Marz hatte man gleich zwei Gitarristen an Bord und produzierte 1975 mit “Get on Board” das letzte Album bei Vertigo. Auch hier starten sie gleich mit dem Titelsong, einer Ohrwurmnummer mit guten Gesangsarrangements, dabei sind alle Musiker mit Background Vocals beteiligt. Insgesamt kommt dieses Album etwas Rock-orientierter daher, die Gitarren behalten deutlich die Überhand.
Schließlich war die Luft raus und Anfang 1976 wurde das Ende der Band verkündet. Es sollte zwar noch ein Album namens “Top of the Bill” erscheinen, doch das enthielt Material von 76, bei dem Inga Rumpf nicht mit dabei war (!), sowie Songs von der 75er Besetzung. Das 1975 aufgenommene Live-Album wird demnächst ebenfalls wiederveröffentlicht.
Für den Fan ist dieses Doppelalbum eine wunderbare Gelegenheit, sich die vollständige Atlantis Diskografie zur Vertigo Zeit zuzulegen.
Bewertung: 10/15 Punkten
Besetzung auf “Atlantis”:
Inga Rumpf – vocals / percussion
Jean-Jacques Kravetz – piano / organ
Frank Diez – guitar
Karl-Heinz Schott – bass
Curt Cress – drums / percussion
Reebop Kwaku Baah – congas
Jean Alain Roussel – electric piano / organ
Jackie Diez – backing vocals
Claire – backing vocals
Besetzung auf “It’s Getting Better”:
Inga Rumpf – vocals / percussion / acoustic guitar / bottleneck guitar
Jean-Jacques Kravetz – piano / organ
Dieter Bornschlegel – guitar
Karl-Heinz Schott – bass
Ringo Funk – drums / percussion
Gasper Lawal – afro-percussion
Besetzung auf “Ooh, Baby”:
Inga Rumpf – vocals / percussion
Adrian Askew – keyboards / acoustic guitar / backing vocals
Alex Conti – guitars / backing vocals
Karl-Heinz Schott – bass / backing vocals
Ringo Funk – drums / percussion / backing vocals
Linda Fields – backing vocals
Jean-Jacques Kravetz – grand piano
Jasper van’t Hoff – piano solo
Besetzung auf “Get On Board”:
Inga Rumpf – vocals
Adrian Askew – keyboards / vocals
Frank Diez – guitars / vocals
Rainer Marz – guitars / vocals
Karl-Heinz Schott – bass / vocals
Ringo Funk – drums / percussion / vocals
Surftipps zu Atlantis:
Wikipedia
Abbildungen: Atlantis / MiG