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    Du bist hier:Home»Reviews»Paradise Lost - Gothic (35th Anniversary Edition)

    Paradise Lost - Gothic (35th Anniversary Edition)

    0
    By flohfish on 12. Mai 2026 Reviews

    Paradis Lost - Gothic (35th Anniversary Edition) (Peaceville/Tonpool, 15.05.2026)

    Gothic • Doom • Death Metal
    (39:24/53:13; Vinyl, 2CD, Digital; Peaceville/Tonpool; 15.05.2026)
    35 Jahre "Gothic". Mein lieber Herr Gesangsverein. Da steht es also wieder im Regal der Jubiläumsmechanik, sauber entstaubt, remastert und mit dem unausgesprochenen Unterton versehen: „Bitte einmal erneut kaufen, diesmal mit besserem Gewissen im Hochtonbereich.“

    Und trotzdem: Man kommt an diesem Album nicht vorbei, ohne kurz innezuhalten und sich zu fragen, wie ein Werk aus dem Jahr 1991 so etwas wie eine stilistische Unverschämtheit bleiben konnte. Damals noch frisch aus dem Dunstkreis von Death Metal und Doom Metal herausgeschält, war "Gothic" ja nicht einfach ein Album, sondern eher eine kleine musikalische Grenzverschiebung mit Ansage. Paradise Lost nahmen die rohe Wucht von "Lost Paradise", polierten sie nicht, sondern verdunkelten sie melodisch – und setzten obendrauf diesen bis dahin eher unverschämt wirkenden Kontrast aus Nick Holmes’ Growls und dem engelsgleichen Gesang von Sarah Marrion. Beauty-and-the-Beast, bevor das Etikett überhaupt trocken war.

    Dass daraus rückblickend ein Namensgeber für ein ganzes Genre wurde, klingt heute fast zu aufgeräumt. Gothic Metal entstand hier nicht als Konzept, sondern eher als Kollateraleffekt. Dazu Greg Mackintoshs Gitarren, die schon damals weniger nach roher Gewalt und mehr nach düsterer Melodie rochen – ein Stilmittel, das die Band bis heute wie ein leicht schief sitzendes Kronjuwel durch ihre Diskografie trägt. Und ja: 'Eternal', 'The Painless', der Titelsong 'Gothic' – das sind längst keine Songs mehr, das sind Referenzpunkte, an denen sich später ganze Karrieren abgearbeitet haben.

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    Jetzt also die "35th Anniversary Edition". Remaster. Vinyl. Doppel-CD. Bonus-Live-Material. Liner Notes. Und das unausgesprochene Gefühl, dass hier weniger etwas neu erzählt als vielmehr das Archiv ein weiteres Mal alphabetisch sortiert wurde. CD2 mit dem Ludwigsburg-Mitschnitt kennt man bereits aus dem Boxset "The Lost And The Painless" – also nichts, was den chronisch neugierigen Hörer wirklich aus der Umlaufbahn schießt. Das eigentliche „Neue“ ist also… das Remaster. Also die Version der Geschichte, in der die Höhen ein bisschen glänzen und der Staub etwas audiophiler rieselt.

    Und genau hier liegt der ironische Kern: "Gothic" braucht eigentlich kein Hochglanz-Update. Nicht, weil es unantastbar wäre, sondern weil seine Wirkung nie aus technischer Perfektion kam, sondern aus dieser seltsam ungeschliffenen Reibung zwischen Brutalität und Melodie, zwischen Schmerz und Pathos. Ein bisschen mehr Klarheit im Mix ist nett – aber es macht aus einem historischen Bruch im Metal eben keinen neuen Release.

    Natürlich kann man das alles feiern. Oder zumindest akzeptieren. Gerade wenn man Paradise Lost über Jahrzehnte verfolgt hat – von den frühen Live-Eskapaden über die stilistischen Umwege bis hin zur späten Rückkehr in dunklere Gefilde, wie man sie heute wieder auf Bühnen erlebt. Die Band hat sich verändert, klar. Aber "Gothic" bleibt dieser Moment, in dem noch alles möglich war und nichts sauber kategorisiert werden konnte. Kein Museum, eher ein Riss im Gewebe der Szene.

    Bleibt also die Frage, was man mit dieser Edition macht. Antwort: wahrscheinlich genau das, was sie will – sie ins Regal stellen, kurz anerkennend nicken und sich daran erinnern, dass hier einmal etwas verschoben wurde. Kaufen muss man das nicht zwingend. Hören sollte man es trotzdem. Oder besser gesagt: Man sollte sich daran erinnern, warum man es überhaupt kennt.

    Und genau da liegt dann doch die eigentliche Leistung dieser 35 Jahre "Gothic": Es klingt nicht wie ein alter Klassiker, der höflich altern durfte. Es klingt immer noch wie ein Moment, in dem eine Band kurz die Tür zur Zukunft aufgestoßen hat – und sie danach einfach einen Spalt offen ließ.
    Ohne Bewertung


    Tracklist:
    CD 1:

    1. 'Gothic'
    2. 'Dead Emotion'
    3. 'Shattered'
    4. 'Rapture'
    5. 'Eternal'
    6. 'Falling Forever'
    7. 'Angel Tears'
    8. 'Silent'
    9. 'The Painless'
    10. 'Desolate'

    CD 2:

    1. 'Intro (Live In Ludwigsburg 1991)'
    2. 'Dead Emotion (Live In Ludwigsburg 1991)'
    3. 'Gothic (Live In Ludwigsburg 1991)'
    4. 'Paradise Lost (Live In Ludwigsburg 1991)'
    5. 'Breeding Fear (Live In Ludwigsburg 1991)'
    6. 'Eternal (Live In Ludwigsburg 1991)'
    7. 'Shattered (Live In Ludwigsburg 1991)'
    8. 'Frozen Illusion (Live In Ludwigsburg 1991)'
    9. 'Angel Tears (Live In Ludwigsburg 1991)'
    10. 'The Painless (Live In Ludwigsburg 1991)'
    11. 'Our Saviour (Live In Ludwigsburg 1991)'
    12. 'Deadly Inner Sense (Live In Ludwigsburg 1991)'

    Besetzung:
    • Nick Holmes - vocals
    • Matthew Archer - drums
    • Stephen Edmondson - bass
    • Aaron Aedy – guitars
    • Gregor Mackintosh – guitars

    Gastmusiker:
    • The Raptured Symphony Orchestra – orchestral sections
    • Sarah Marrion - vocals

    Surftipps zu Paradise Lost:
    • Homepage
    • Linktree
    • Bandcamp
    • YouTube
    • Wikipedia
    • Rezensionen, Liveberichte & Interviews

    Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von cmm zur Verfügung gestellt.

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    Aaron Aedy CD Digital; Peaceville Gregor Mackintosh Matthew Archer Nick Holmes Paradise Lost Peaceville Reissue Remaster Sarah Marrion Stephen Edmondson The Raptured Symphony Orchestr Tonpool Vinyl
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    flohfish
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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