(36:16; Vinyl, CD, Digital; (Ipecac Recordings, 28.02.2025)
Dave Lombardo dürfte den meisten als ehemaliger Schlagzeuger und Gründungsmitglied der Thrash-Metal-Legende Slayer ein Begriff sein. Aber auch im Umfeld von Faith-No-More-Frontmann Mike Patton war Lombardo immer wieder aktiv, sodass er auf verschiedenen Aufnahmen von Patton-Projekten wie Dead Cross, Mr. Bungle und Fantômas zu hören ist. Zudem spielte der auf Kuba geborene US-Amerikaner zeitweise bei Bands wie Grip Inc., Suicidal Tendencies, Voodoocult und den Misfits und half als Tour-Drummer bei Testament aus (nicht zu vergessen die phantastischen Philm, d. Schlussred.). Allesamt Gruppierungen, die im weitesten Sinne dem Metal zugerechnet werden können. Genau wie Dave Lombardos jüngstes Projekt Empire State Bastard, mit dem er gemeinsam mit Mike Vennart (Oceansize) und Simon Neil (Biffy Clyro) ein Album aufnahm, das an Dreckigkeit, Giftigkeit und Aggressivität kaum zu überbieten war.
Dass sich Lombardo auch außerhalb der Grenzen des Metal wohlfühlt, hat er u. a. mit seinen Kooperationen mit John Zorn und DJ Spooky unter Beweis gestellt. Niemals allerdings so konsequent und deutlich wie mit Venamoris, einem 2021 ins Leben gerufenen Art-Pop-Band-Projekt, das vor zwei Jahren mit “Drown In Emotion” bereits ein erstes Album veröffentlicht hat.
Venamoris ist dabei nicht einfach irgendein Nebenjob für Mr. Lombardo, sondern das gemeinsame Projekt mit Singer-Songwriterin und Multiinstrumentalistin Paula Lombardo, die ganz nebenbei auch noch seine Ehefrau ist. Dass dieses eine echte Herzensangelegenheit ist, kann man “To Cross Or To Burn” deutlich anhören, denn jedes einzelne Stück besitzt Tiefgang, Charakter und Seele.
Eröffnet wird “To Cross Or To Burn” vom ‘Stay With Me’, bei dem Paula Lombardo auf ganzer Linie überzeugen kann, denn das Pop-Noir-Stück erinnert nicht nur wegen seiner cineastischen Streicherarrangements an die Isländerin Björk, sondern auch aufgrund von Paulas Stimme. Es ist ein äußerst starker Auftakt, der die Stimmung bereitet und erahnen lässt, wo die Reise hingehen wird. Und doch ist man überrascht, wenn beim folgenden Stück, ‘In The Shadows’, wuchtige Drums einsetzen und dem Stück so bedrohliche Untertöne verleihen, die durch ein elektronisches Brummen weiter verstärkt werden.
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Im weiteren Verlauf der Platte erinnern Venamoris immer wieder an Trip-Hop-Acts wie Massive Attack und Portishead, nicht nur was Gesang und Atmosphäre angeht, sondern bei einem Stück wie ‘Truth’ sogar in der Rhythmik, die durch Dave Lombardos präzises und sehr warm und druckvoll klingendes Schlagzeugspiel allerdings einen ganz speziellen, leicht hypnotischen Charakter verliehen bekommt.
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Doch auch andere musikalische Elemente sind auf “To Cross Or To Burn” zu finden, sodass eine musikalische Überraschung die nächste jagt: Flamenco-Gitarren von Testament-Gitarrist Alex Skolnick im jazzigen ‘Stain To Pain’, Gothic-Vibes im schauerlich-schönen ‘Spiderweb’, Dark Folk in ‘Burnt Paper’, das in dieser Form auch von I Häxa hätte stammen können, Beats und Industrial-Einflüsse im an Archive erinnernden ‘Holding On To Nothing’.
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Und doch ist man nicht wirklich darauf vorbereitet, was mit dem nächsten Stück folgt. Denn die apokalyptische Interpretation von Scorpions’ ‘Animal Magnetism’ (mit Exodus-Gitarrist Gary Holt) lässt einem regelrecht das Blut gefrieren.
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Und doch ist hiernach noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, denn mit dem vor Groove strotzenden ‘Numb’ wagen sich Venamoris in Richtung Grunge und Alternative Rock vor, bevor man die musikalische Reise mit dem gruseligen, mit Score-Sounds versetzten Titeltrack stimmungsvoll ausklingen lässt. Was für ein ergreifendes musikalisches Abenteuer!
Bewertung: 13/15 Punkten
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Besetzung:
Paula Lombardo
Dave Lombardo
Gastmusiker:
Trevor Dunn – contrabass (‘Stay With Me’)
Ra Diaz – bass (‘Stain Of Pain’)
Alex Skolnick – guitar (Stain Of Pain’, ‘Burnt Paper’)
Gary Holt – guitar (‘Animal Magnetism’)
Diskografie (Studioalben):
“Drown In Emotion” (2023)
“To Cross Or To Burn” (2025)
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