(44:14; Digital, Vinyl; Full Time Hobby, 28.02.2025)
Seltsames Cover, aber musikalisch mal was irgendwie erfrischend Anderes. Verschiedenste Musiker aus dem Musik-besessenen Nashville und Umfeld finden sich in einer alten Abtei vor der englischen Küste (Isle of Wight) in einem renovierten Studio zusammen, um mit Produzent Jordan Lehning Magie entstehen zu lassen. Somit ist man fernab der üblichen Prozedere weit vom eigentlichen Geschehen entfernt, lässt Nächte, Naturschauspiele und brüderliche Verknüpfungen zu, um ein sehr spezielles Album zu gestalten. Der Küste und rauen Natur sehr nah und in einem Gebäude, das bereits 1160 entstand, ist das Wort Atmosphäre ja schon fast wie von alleine ein Selbstläufer.
Die vier beteiligten Musiker, die vom Produzenten, dessen Bruder und Weiteren unterstützt wurden, durften jeweils drei Songs zum Ausarbeiten in die Sessions einbringen. Mit ‘Dreams Of You’ startet man sanft, filigran und voller Wärme. Americana-Weite, etwas wehmütige Melancholie und Streicher hier und da erzeugen Kamin-wahlweise Lagerfeuerromantik. Die flirrenden Sounds klingen liebevoll verweht, haben Spätsechziger Psychedelia im Gepäck – was von den mehrstimmigen Vokalharmonien so wundervoll vollmundig unterstrichen wird. ‘Odd Energy’ ist mit fast sechs Minuten das längste Stück, was den psychedelischen Grooves und der Sixties-Atmosphäre schwer entgegenkommt. Etwas unruhige jazzige Rhythmik, flirrende experimentelle Electronica-Spielereien und erneut sehr gelungener Psych-Folk im mehrstimmigen Gesang harmonieren perfekt aufeinander abgestimmt. ‘Little Bird’ ist kurz mit schöner Pedal Steel, einfach gestrickt, erinnert mich in seiner Lässigkeit und dem frechen Pfeifen der Melodie an so manch coolen Lambchop Move. Mit Loops, simpler Struktur und erneut schöner Pedal Steel wippt ‘Blood Moon’ sanft hin und her, erzählt von der Magie des Moments, wenn Sterne und Licht ein schaurig schönes Szenario am Firmament herbeizaubern. Denk an den melancholischen Tom Waits, die ruhigen Walkabouts, Calexico, Filmmusik und surreale Noir Szenarien. All das findest Du in ‘Rainbow Road’ und es macht selbiges zu einem fantastischen kleinen Mini-Hit – ach einfach nur richtig schön!
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‘Twisted Hemlock’ vereint so liebevoll die ganz sanfte Seite des Grunge mit dem Psych Pop/Folk der Sixties und auch Neo Psychedelia wie die Flaming Lips oder Mercury Rev finden sich als Echo im kosmischen Americana Sound wieder – ebenfalls wundervoll und richtig schön beseelt. Langsam, easy duelliert sich im instrumentalen ‘Pterri’ eine wundervoll dem Abend zugewandte Pedal Steel mit strangen flächigen analogen 80er Synths. Seltsam, but nice. Etwa mehr Galopp im Lo-Fi-Rhythmus, flüchtiger vernuschelter Gesang, der irgendwann gedoppelt wird, erwartet Dich in ‘I’m Starving’. Alles ist liebevoll ausgestaltet, Vibraphone und putzige Keys bringen spielerisch Farbe ins Bild und frohlocken mit einer optimistischen Gangart. Etwas John Lennon und Ron Sexsmith kommen mir vor das geistige Auge, wenn ich die Piano-Balladen ‘Never Cry’ oder ‘For Your Love’ höre. Es ist die schüchterne Einfachheit in den friedvollen Melodien, die von vielen keinen Details im Sound so erfrischend ins Licht musizieren. Wenn im entspannten ‘The Fox And The Grapes’ oldschoolige Moog-ähnliche Sounds integriert werden, beamt die Band Dich so richtig schön in die frühen Siebziger.
Das könnte generell hier und da ruhig mehr ausgestaltet werden. Denn wenn dieses Integrieren von sanftmütiger Psychedelia so richtig stimmig gelingt, dann möchte dann sofort gerne mehr davon. ‘In The Evening’ klingt genau so, warme Arrangements, feingliedriger Psych Folk und schöne Harmonien in den Vocals sind einfach die berühmte Decke zum Zudecken. Alles ist gemütlich, die Pedal Steel weint sanft vor sich hin, alles ist unaufgeregt im Wohlklang verhaftet. Das abschließende ‘In The Pub’ ist nicht meins, wirkt mit seiner motzigen frechen Gangart wie ein Fremdkörper.
“Echolalia” ist teils schlicht und doch voller ausschmückender, progressiver musikalischer Details, hat durchgehend ruhige, sehr friedvolle Stimmungen und eine abendliche Atmosphäre. Man kann das Album in repeat hören, fühlt sich darin gut aufgefangen bei all der Gemütlichkeit. Ich mag “Echolalia”, es funktioniert im Hintergrund, aber auch im direkten Zugang. Die perfekte Platte für den entspannten Moment.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Line-up:
Eli Beaird – Bass
Dominic Billett – Drums/Piano/Vocals
Andrew Combs – Guitar/Synths/Vocals
Spencer Cullum – Pedal Steel/Guitar/Vocals
Jordan Lehning – Vibrophone/Piano/Guitars/Vocals
Jason Lehning – Keys/Synths
Juan Solorzano – Guitars/Synths/Pedal Steel
Surftipps zu Echolalia:
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Die Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult zur Verfügung gestellt.