Wenn sich der Sommer langsam dem Ende zuneigt, wird das kleine Dorf Finkenbach im Odenwald zum Festival-Schauplatz mit Woodstock-Charme. Mit Mucke, Mani “Elektrolurch” Neumeier und, zumindest in diesem Jahr, auch Matsch inklusive. Für eine einzigartige musikalische Mischung sorgten am 11. und 12. August Urgestein wie Arthur Brown und The Pretty Things zusammen mit aktuellen Highlights wie Jack Dupon, Samsara Blues Experiment, DeWolff und Kungens Män.
In den 70er-Jahren haben die Musiker von Guru Guru in Finkenbach als Kommune zusammengelebt und gemeinsam mit den Dorfbewohnern das gleichnamige Festival begründet. Noch heute organisiert Mani Neumeier mit dem örtlichen Fußballverein das Finki Open Air. 2017 zum 35. Mal. Der Auftritt von Guru Guru ist ein fester Bestandteil jedes Finki-Festivals. Dieses Jahr legte Mani Neumeier zusätzlich eine Show mit ehemaligen Mitglieder von Ashra Tempel und Kraftwerk hin – “Kumpels von früher”, wie er sagt. Aber der Reihe nach …
Seien wir ehrlich: Das Wetter war beschissen. Es gab grob geschätzt 13 Sekunden Sonne – und dafür Szenenapplaus am Samstagmorgen auf dem Campingplatz. Es hat fast das ganze Finki-Wochenende hindurch geregnet. Die Besucher nahmen es gelassen, die Stimmung war gewohnt entspannt.
Das Line-up ließ kaum zu wünschen übrig: im Großen und Ganzen eine ausgewogene Mischung bewährter Rock-Brocken und musikalischen Frischfleischs. Das Freak-Potenzial war auf beiden Seiten groß.
Mani hat mal wieder ein ganz gutes Händchen bei der Auswahl der Bands bewiesen.
Jack Dupon, vier französische Freaks sondergleichen (hier: Arnaud M’Doihoma) eröffneten am frühen Freitagabend das Finki Open Air 2017. Einen besseren Auftakt hätte man sich kaum wünschen können. Komplex, progressiv, enorm einfallsreich und herrlich schräg.
Philippe Prebet (Jack Dupon)
Gregory Pozzoli (Jack Dupon)
Thomas Larsen (Jack Dupon)
Nachdem Jack Dupon das Publikum in kürzester Zeit auf Festival-Temperatur gebracht hatten, brachte Mani Neumeier seine “Kumpels von früher” auf die Bühne.
Bassist und Klang-Experimentierer Eberhard Kranemann gehörte zu den Gründungsmitgliedern von Kraftwerk, wo er 1970 und 1971 mitmischte. Auch bei Neu! war er mit dabei. Danach performte er unter anderem mit David Bowie, Brian Eno und Lou Reed.
Harald Grosskopf startete in den 60ern als Schlagzeuger bei einer Beatband, machte Station bei den (damals noch unbekannten) Scorpions, tastete sich bei Wallenstein Richtung Krautrock, hat mit Klaus Schulze, bei Ashra Tempel und bei den 17 Hippies gespielt. Von NDW bis Techno ließ er kaum was aus.
Die Pretty Things sind Rock’n’Roll-Urgestein. 1963 gegründet, gehören sie zu den ältesten Rockbands aus England, die immer noch auf den Bühnen unterwegs sind. An Schlagzeug und Bass hatten sie junge Unterstützung.
Der 74-jährige Gitarrist Dick Taylor gehörte zur Urformation der Rolling Stones. Zusammen mit Phil May (dem man seine 72 Jahre heute kaum ansieht) gründete er die Pretty Things.
Hans Eiselt (Samsara Blues Experiment)
Christian Peters (Samsara Blues Experiment)
Thomas Vedder (Samsara Blues Experiment)
Zum Auftakt des zweiten, ebenfalls verregneten Festivaltags am Samstagnachmittag versuchten Jobarteh Kunda die Sonne herbeizuspielen. Das gelang ihnen nicht.
Tormenta Jobarteh (Jobarteh Kunda) spielt unter anderem die Kora, eine westafrikanische Harfenlaute.
Jobarteh Kunda
Jobarteh Kunda
Eines der großen Highlights an diesem Wochenende: die niederländische Band DeWolff.
Pablo van de Poel (DeWolff)
Luka van de Poel (DeWolff)
Luka van de Poel (DeWolff)
Robin Piso (DeWolff)
Robin Piso (DeWolff)
Sein Faible für Kostümierung lebte Mani Neumeier beim Auftritt mit Guru Guru aus.
Dabei durfte der Elektrolurch natürlich nicht fehlen.
“Volt, Watt, Ampere, Ohm: Ohne mich gibt’s keinen Strom.”
Der Elektrolurch hatte in diesem Jahr Lurchi-Nachwuchs dabei.
Der Elektrolurch feuerte nicht nur Gold-Glitter-Kanonen und Sound-Feuerwerk ab, sondern trieb auch Schabernack mit Band-Kollegen wie Jan Lindqvist
… und Roland Schäffer.
Roland Schäffer (Guru Guru)
Jan Lindqvist und Peter Kühmstedt (Guru Guru)
Einen noch größeren Kostümfundus präsentierte am Samstagabend allerdings ein anderer Musiker:
der großartige Arthur Brown.
Es ist schier unglaublich, welche Energie, Ausdruckskraft und Bühnenpräsenz der 75-jährige Arthur Brown zeigt.
Tänzerin Angel Flame ist fast immer an der Seite Arthur Browns zu sehen – oder auch mal auf seinem Schoß. Auch sie hat zu jedem Song das passende Outfit parat.
“I am the god of hellfire”: Arthur Brown, dessen Stimme immer noch vollständig überzeugt, hat weit mehr zu bieten als seinen Hit “Fire”.
Im völligen Dunkel der Bühne kam Arthur Browns in jahrelanger Arbeit aufwendig gefertigter Lichtumhang besonders gut zur Geltung.
Arthur Brown
Die schwedische Band Kungens Män sorgte weit nach Mitternacht für einen eher meditativen Ausklang des Finki Festivals 2017.
Nicht nur auf dem Festival-Gelände sorgte der tagelange Regen für Woodstock-tauglichen Matsch: Auf dem Campingplatz war er am Sonntag knietief, sodass Bauern mit ihren Traktoren anrückten, um die Autos nacheinander vom Gelände zu ziehen.
Der Termin fürs nächste Finki steht bereits: 10. und 11. August 2018.
Fotos: Madeleine Wegner
Finkenbach 2017 war wie immer eines der Highlights des Jahres. Vielleicht nur etwas mehr Regen, als sonst. Habe bei G+ ein paar Photos gepostet: https://plus.google.com/s/%23dejanmiloFinki2017
Ach ja, wenn wir schon am Werbung machen sind 😉 hier noch mein Finkenbach-Video von 2016: https://youtu.be/gvkW0NeChvY
Ein Kommentar
Finkenbach 2017 war wie immer eines der Highlights des Jahres. Vielleicht nur etwas mehr Regen, als sonst. Habe bei G+ ein paar Photos gepostet: https://plus.google.com/s/%23dejanmiloFinki2017
Ach ja, wenn wir schon am Werbung machen sind 😉 hier noch mein Finkenbach-Video von 2016: https://youtu.be/gvkW0NeChvY