The Psychedelic Ensemble – The Sunstone

TPE-TheSunstone-2015-Cover(62:27, CD, Eigenproduktion/Musea/Just For Kicks, 2015)
Der große Einzelkönner und Multi-Instrumentalist “Mr. TPE” aus dem Land der (ehemals) unbegrenzten Möglichkeiten beschert uns auf seinem fünften Album innerhalb gerade mal sechs Jahren ein ganz spezielles Konzept bzw. Thema. Es basiert auf der – teils bewiesenen, teils auch legendenartigen – Annahme, bereits die Wikinger hätten für die Seenavigation bei Nacht, bei bedecktem Himmel oder im Nebel sogenannte “Sonnensteine” benutzt, Kristalle, die ihnen als Reflektoren dienten und so den Weg wiesen. Es ranken sich um derartige wissenschaftliche Erkenntnisse und archäologische Funde stets sogleich mystische Geschichten, denen TPE eine nach seinem eigenen Geschmack hinzufügt.

Die musikalische Umsetzung ist dabei, wie von TPE gewohnt, sehr abwechslungsreich gestaltet. Wohltuend gemäßigt komplex geht es zu, die Länge der Tracks bis zu acht Minuten trägt hierzu ebenso bei wie die Instrumentierung, die durch RetroProg – Elemente wie eine “klassisch” eingesetzte Hammond und gar durch ein gut besetztes Orchester aufgepeppt wird. Wie üblich hat Mr. TPE Text und Musik selbst entworfen und eingespielt bis auf Gastbeiträge durch Vokalisten, das Orchester und durch Michael Wilk (Steppenwolf) an der Hammond.

Gegenüber früheren Alben ist der Anteil des symphonischen ProgRock allein durch den Einbau orchestraler Teile angestiegen, doch stehen die innovativen, aber nicht übertrieben experimentellen Synthie-Sounds weiterhin im Vordergrund. Gelegentlich klingt TPE dann mal nach den Landsleuten IZZ oder Glass Hammer – vor allem, wenn die weibliche Gaststimme Ann Caren zum Zuge kommt. Das Besondere und Ansprechende bei TPE ist aber, dass über die gesamte Spielzeit der CD die verschiedensten Stilrichtungen zum Einsatz kommen, ohne dass Fusion, Retro und Symphonic Prog oder orchestrale Filmmusik gegeneinander arbeiten, sondern sie verschmelzen zu einem großen Ganzen, welches sich nach mehreren Hördurchläufen erst so richtig offenbart. Nicht etwa, weil es kompliziert oder verschachtelt ist, sondern weil es unendlich viel zu entdecken gibt. Die Übergänge zwischen den Tracks tragen dabei angenehm zur Reise durch den Klangkosmos des Mr. TPE bei.

Das Tempo wird instrumental durchweg recht hoch gehalten, sehr gute und ausgewogene Gesangsleistungen von TPE und seinen Gästen (teils mehrstimmig) ergänzen spannende Duelle zwischen Keyboards und Hammond oder auch mal jazzig angehauchte Pianoklänge. Soliert wird eher weniger, dafür fällt das wuselige, stellenweise fast hyperaktive Drumming – oh ja, auch hier ist Mr. TPE persönlich am Werk – positiv auf.

Das Album klingt mehr nach RetroProg als frühere Werke, ist jedoch nicht unbedingt für pure “Nostalgiker” gedacht, dafür ist es – gottlob – zu modern und zu eigenständig. TPE gelingt die nahezu perfekte Mischung verschiedener Stilmerkmale mit sehr hohem Abwechslungsreichtum und entsprechend großem Unterhaltungswert.
Bewertung: 12/15 Punkten (KB 11, WE 11, JM 13, KR 12, KS 10, JW 12)

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